Ruhr 2010 // Local Heroes

stromauf / stromab – entlang Kamp-Lintforter Gewässer
VN - wir waren dabei -

Am 23. Januar 2010 trafen sich 15 Wanderer mit unserem Wanderführer Bernhard Kames, um im Rahmen der Local Heroes Woche an der Veranstaltung „stromauf-stromab – entlang Kamp-Lintforter Gewässer“ teilzunehmen. Zwei Teilnehmer waren aus Köln und einer aus Gelsenkirchen angereist, um zu erwandern, was Kamp-Lintfort hier zu bieten hat. An der Niederrheinschule an der Friedrich-Heinrich-Allee startete die Tour. Durch das Stefanswäldchen, entlang der Großen Goorley ging es durch die Beamtensiedlung zum Pappelsee. Weiter über den Bendsteg und die Grünstraße kreuzte die Tour den Hornbuschgraben, der jedoch die meiste Zeit trocken liegt. Links von uns liegt eine der sogenannten Verbandsgrünflächen, Freiflächen, die von der Bebauung freizuhalten sind, um den Luftaustausch in der Stadt zu ermöglichen. Nach links in die Straße Am Hornbusch, und sofort rechts folgten wir dem Rad- und Fußweg bis zur letzten Stichstraße des Dieprahmswegs. Über den Parsickgraben hinweg standen wir vor Schloss Dieprahm.


Schloss Dieprahm (VN-Foto: B. Kames)

Dieses, ein ehemaliger Adelssitz, ist wohl an der Stelle eines Hofes aus fränkischer Zeit errichtet worden. Der schlossähnliche Backsteinbau besteht aus einem rechteckigen, zweigeschossigen Baukörper mit zwei Ecktürmen.
Hier haben die Gebrüder Johan und Evert Dippramme gewohnt, von denen das Haus den Namen hat. Über die Geschichte des Schlosses, das heute in Privatbesitz ist, ist wenig überliefert.
Es ist jedoch eines von drei Kamp-Lintfort Histörchen, dass Napoleon hier auf der Flucht von Russland nach Paris übernachtete. Unter dem Pseudonym „Herzog von Vincenza“ sei er im Dezember 1812 im Schlosshof vorgefahren und habe in einem der Turmzimmer übernachtet. Historisch belegt ist dieses nicht.
Seit 1982 steht Haus Dieprahm unter Denkmalschutz.

Unser Weiterweg führte uns in den Fuß- und Radweg der verlängerten Rundstraße, entlang des Parsickgrabens zum Gewerbepark Dieprahm. Hier führte unser Weg an den Gewässern des Gewerbeparkes vorbei in Richtung Moto-Cross-Bahn.
Nun standen wir vor den Brückenpfeilern einer Brücke der Bahnlinie Moers-Geldern, einer der beiden „Unvollendeten“ Kamp-Lintforts. Die Fertigstellung der Bahnlinie, die Anfang des 20. Jahrhunderts begonnen wurde, wurde nach dem ersten Weltkrieg durch den Versailler Vertrag untersagt, und der Bau eingestellt. Die Brücken und Dämme, die schon fertig waren, blieben stehen. 1937 wurde nochmals eine kurze Zeit weitergebaut, aber fertig wurde die Bahn nie. Die Trasse ist in der Landschaft gut zu erkennen, und noch stehen einige Brücken. Sollte man sie unter Denkmalschutz stellen?


Brückenpfeiler an der Moto-Cross-Bahn (VN-Foto: B.Kames)

Nun folgten wir dem Europäischen Fernwanderweg E8 - Dursey Head, Irland, bis Istanbul, Türkei, jedoch nur ein kleines Teilstück bis zur Kendelstraße. An der Ferdinantenstraße erreichten wir den Eyllschen Kendel, der dann nach Osten abbiegend in die Fossa Eugeniana übergeht, der zweiten „Unvollendeten“ Kamp-Lintforts.
Dieser Schiffahrtskanal, der den Rhein bei Rheinberg mit der Maas bei Venlo verbinden und den Holländern den Handel einschränken sollte, war von den Spaniern im spanisch-holländischem Krieg (1626-1629) begonnen worden, von Rheinberg bis Kamp fertig gestellt, aber letztlich nie vollendet. Fehlendes Geld und ständige Angriffe der Holländer verhinderten dieses Projekt. Isabella Klara Eugenia, Statthalterin Spaniens, war die Namensgeberin des Kanals, dessen erster Spatenstich am 21.09.1626 stattfand. Um diesen Kanal rankt sich das zweite Kamp-Lintfort Histörchen, denn ein zeitgenössischer Kupferstich zeigt eben diese Isabella Klara Eugenia auf einer Schifffahrt auf dem Kanal vor Kloster Kamp, jedoch ist dieses Ereignis nicht belegt, und es sind wohl nie Schiffe auf unserer Fossa gefahren.

Entlang der Fossa ging es dann bis zu einer kleinen Brücke, wo wir erst die Fossa und dann die B 510 überquerten, um an den Terrassengarten des Klosters Kamp zu gelangen. Diesen eindruckvollen Garten besichtigten wir kurz, und genehmigten uns das dritte Kamp-Lintfort Histörchen. Angeblich sei Friedrich der Große in Begleitung von Voltaire auf dem Weg nach Berlin unterwegs gewesen, als er die Terrassengärten des Kamper Klosters sah, und nahm diese als Vorbild für sein Schloss Sanssoucci. Tatsächlich sind die Kamper Terrassen älter als die in Potsdam, jedoch ist auch dieses Reiseereignis des alten Fritz nicht belegt.


Kamper Terrassengarten (VN-Foto: B.Kames)

Durch den Terrassengarten gingen wir zum Abteiplatz, besuchten noch die Klosterkirche, und gingen durch den Alten Garten zum Wandelweg, der uns entlang der Großen Goorley zu unserem Ausgangspunkt zurückführte. Bei Kaffee und Gebäck wärmten wir uns in unserem Vereinsraum im VHS – Gebäude auf und ließen den Tag ausklingen.